Psychische Erkrankungen und was man dagegen tun kann. Ein Handbuch.

Antidepressiva

„Antidepressiva“ soll heißen, dass diese Medikamente eine Depression mildern oder ganz beseitigen können. Es sind sehr unterschiedliche Substanzen, die als Antidepressiva vertrieben werden. Ihre Wirkung ist aber höchst problematisch.

Wenn man unterstellt, dass die Depression eine Störung des Gehirnstoffwechsels ist, dann liegt es nahe, nach einem Medikament zu suchen, dass den Stoffwechsel wieder in Ordnung bringt. Nun ist es aber sehr unwahrscheinlich, dass es eine bestimmte Stoffwechselstörung ist, die die Depression auslöst. Alles spricht dafür, dass es seelische Konflikte sind, die der Depression zu Grunde liegen. Die körperlichen Krankheitszeichen, die sich bei der Depression finden, sind eine Folge der seelischen Konflikte. Ein Mittel, das bei einer Depression stimmungsaufhellend wirkt, müsste also so wirken, dass es entweder gleichgültig gegenüber den Konflikten macht oder innere Hemmungen beseitigt, so dass der Betreffende, seine Kräfte positiver einschätzt. Beide Typen von Medikamenten gibt es. Viele Antidepressiva haben eine beruhigende Wirkung, verschaffen auch ein „dickeres Fell“, so dass die Konflikte, die zur Depression geführt haben, ihre Wirkung nicht voll entfalten können. Bei wirklich schweren Depressionen gelingt das aber nur unvollkommen. Die Medikamente helfen dann nur noch die Depression besser zu ertragen. Beseitigen können sie sie nicht.

Der andere Typus ist noch problematischer. Tranquilizer, aber besonders die Medikamente aus der großen Gruppe der zentral wirkenden Analgetica (das ist der Name für die starken Schmerzmittel, zu denen das Morphium und Tramal gehört, aber auch z. B. Heroin und Marihuana) wirken so auf die Stimmung, dass sie eine Depression in der Regel innerhalb von Stunden beseitigen können. Nach zwei drei Tagen verlieren sie aber ihre Wirkung durch Gewöhnung. Nun muss man die Dosis steigern oder die Entzugserscheinungen machen die Situation für einige Zeit schlimmer als vorher. Bis auf die Tranquilizer, bei denen es nicht so schlimm kommt, werden diese Art Medikamente  darum bei der Behandlung nur in Ausnahmefällen benutzt.

Man kann sagen, dass die Antidepressiva um so wirksamer sind, je leichter die Depression ist.

Präparate:

Aneurin,
Citalopram,
Doxepin,
Fluoxetin,
Jatrosom,
Paroxetin,
Remergil,
Stangyl,
Trevilor.

Letztmals aktualisiert: 2010-06-08 11:10:03
 
Diese Webseite basiert auf dem Buch "Sprünge in der Seele" von Frank Matakas. Das Buch ist erstmals im Rowohlt Verlag erschienen und steht in überarbeiteten Auszügen hier kostenlos zur Verfügung.
 
Familienstürme: Was ist eigentlich »normal«? Eine Annäherung an die tieferen Ursachen psychotischer Zustände. Ein erfolgreicher Mann, eine treu sorgende Frau, zwei Töchter – Familie Rein ist eigentlich völlig normal. Und doch führen die Abhängigkeiten untereinander, Berge von uneingestandenen Wünschen und nicht gelebten Gefühlen scheinbar zwangsläufig ins Elend: Barbara, die älteste Tochter, arrangiert ihre (über-)Lebensstrategien in diesem Umfeld von Anfang an so, dass sie auffällig wird. Als junge Frau wird sie schwer psychotisch. Frank Matakas beschreibt an diesem fiktiven Fall – gewissermaßen der Quersumme vieler seiner Fälle als Psychiater und Psychoanalytiker –, wie sich psychische Auffälligkeiten auf der persönlichen, der familiären und der gesellschaftlichen Ebene erklären lassen könnten. Romanhaft zu lesen, packen die Schilderungen den Leser mehr als alle Fiktion: Immer wieder muss er erkennen, wie es auch um ihn selbst und das eigene Umfeld bestellt ist. Vor allem aber erweckt das Buch in ihm ein tieferes Verständnis für die Individualität und innere Ordnung anderer, erscheint sie nun krankhaft oder „normal“.

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Eine weitere Arbeit mit dem Schwerpunkt Psychose hat der Autor im Internet veröffentlicht.