Psychische Erkrankungen und was man dagegen tun kann. Ein Handbuch.

Drogenabhängigkeit

„Ich heiße Heidi D. Ich bin 19 Jahre alt. Beruf: ungelernte Arbeiterin. Ich werde meinen Lebenslauf so schreiben, dass man die Beweggründe, Ängste und Komplexe ersehen kann. Meine Kindheit bis zu meinem sechsten Schuljahr ist ganz leicht erzählt. Ich bin gern zur Schule gegangen und war auch bis zur sechsten Klasse gut (Durchschnitt 2,5).

Meine Geschichte fängt bei meinem dreizehnten Lebensjahr an. Ich kam von einem Dorf in die Stadt. Meine Klassenkameradinnen aus der Stadt waren in jeder Beziehung weiter als ich. Sie hatten mehr Freiheiten, waren weiter entwickelt in der körperlichen Beziehung, und vor allen Dingen tranken fast alle Bier und waren schon mit den Jungen zusammen. Ich war nicht aufgeklärt und sah dann plötzlich so allerhand, was man als Frau bzw. Mädchen mit Männern bzw. Jungen anfangen konnte.

Plötzlich hasste ich meine Eltern, fühlte mich von ihnen zu kurz und streng gehalten. Ich lehnte mich vollkommen gegen sie auf, fing an zu trinken und zu rauchen (Zigaretten), schwänzte die Schule und trieb mich mit Jungens rum. Jedoch wurde ich nie mit ihnen intim, davor hatte ich schreckliche Angst. So ging es dann einige Monate. Durch mein Auflehnen wurden meine Eltern strenger. Zum erstenmal bekam ich Schläge, dann immer öfter, mit einer Hundeleine, Kamelpeitsche, einem Stück Schlauch oder dem Hosengürtel meines Vaters. Es wurde immer schlimmer, ich liebte meine Eltern und hasste sie. Ich kam mit meinen Gefühlen nicht mehr zurecht. Ich lief einige Male von zu Hause weg, wurde nach einigen Tagen aufgegriffen und immer wieder zu meinen Eltern zurückgebracht.

Dann machte ich einen Selbstmordversuch mit Heizungsöl und Schlaftabletten. Man fand mich und brachte mich in die Poliklinik Bonn. Nach zwei Tagen haute ich von dort in einem gestohlenen Arztkittel und barfuß ab, da man mir meine Privatkleidung weggenommen hatte. Nun war ich in Bonn, einer Großstadt. Zuerst lernte ich richtige Verbrecher kennen, die alle in Unmengen Alkohol konsumierten, Zuhälter, Gewalttäter etc. etc. Nun lernte ich auch Ricky, einen Totschläger (er bekam sieben Jahre wegen Totschlags), kennen. Ich verliebte mich in ihn und flehte ihn an, mich zu entjungfern. Dies geschah dann in einem Wald. Es war das schrecklichste Erlebnis, das ich bis dahin hatte. Dadurch bekam ich wieder Angst vor Männern und wollte von diesen Leuten, die ich bis dahin kennen gelernt hatte, fort. Aber eine alteingeweihte Nutte mit ihrem Zuhälter zwang mich dann, anschaffen zu gehen. Ich konnte mich nicht dagegen wehren, da ich alleine war.

Ich wurde in ein Zimmer eingesperrt, und dann kamen die Ausländer, Türken, Marokkaner etc. Das Geld habe ich nie gesehen, denn das kassierten die Zuhälter und die Frau. Nach einem Monat bin ich dann durch Zufall abgehauen, denn das Zimmer, in das ich nun kam, hatte ein Fenster, das man öffnen konnte, und so lief ich weg. Ich kam in den Hofgarten und lernte unheimlich dufte Leute kennen. Alle Leute rauchten Haschisch und warfen LSD-Trips. Ich war von ihrer Lebensart total fasziniert, und dann rauchte ich zum erstenmal mit ihnen einen Joint. Oh, das war so stark. Alles war weg, ich fühlte mich frei und
klick. Aber nun konnte ich das schnelle Geld verdienen. Ja, mit dreizehn Jahren schlief ich für Geld mit Männern. Jeden Tag suchte ich mir einen, machte es mit dem, kassierte Geld, kaufte dafür Haschisch und war knapp ein Jahr jeden Tag mit den Freiern zusammen.

Nachher lebte ich in einer Kommune in Dümpelfeld/ Eifel. Wir machten Kerzen und Schmuck und verkauften das dann auf der Straße. Dort war ich sehr glücklich. Ich fühlte mich akzeptiert, hatte meine Aufgabe, und unsere Probleme besprachen wir alle gemeinsam. Jeden Tag saßen wir für drei bis vier Stunden zusammen, rauchten einige Joints und diskutierten. Es war eine sehr schöne Zeit. Warum ich nach einigen Wochen von dort wegging, kann ich mir bis heute nicht erklären. Denn dort war ich wirklich und wahrhaftig glücklich.

Es war beim Uni-Sommerfest in Bonn. Ich kaufte für D. Heroin und lernte M. kennen, einen total duften und ausgeflippten Typ. Ich gab ihm das Heroin und bat ihn, mir einen Schuss zu setzen, da ich angeblich auf Turkey sei und es so nicht könne. Er glaubte mir auch und setzte mir den Schuss, es war unbeschreiblich schön, und unbekannte Gefühle durchströmten mich. Ich lebte wieder auf, ja, ich wurde süchtig, bekam furchtbare Schmerzen, wenn ich nichts hatte, und so schön war es dann auch nicht mehr.

Zu den sechs Jahren, in denen ich gefixt habe, gibt es nichts zu sagen, da alle Tage gleich aussahen. Ich schlief mit Männern, bekam das Geld, kaufte Heroin, setzte es mir, schlief und weiter, immer weiter so.

Dann kam ich das erste Mal in eine Haftanstalt. Ich hatte in einer Arztpraxis eingebrochen und in Eindhoven Heroin und Koks gekauft. Ich bekam zehn Monate, neun Monate saß ich ab, und setzte mir an meinem Entlassungstag direkt eine Überdosis. Im Krankenhaus wurde ich nach fünf Stunden wach. Ich machte direkt weiter mit Anschaffen, Kaufen, Schießen etc. etc. Nach fünf Monaten Freiheit wurde ich in Bonn erneut verhaftet, wegen Eigenkonsums und zwei gefälschten Rezepten bekam ich abermals zehn Monate. Ein halbes Jahr nach der Entlassung aus dem Knast kam ich dann erneut in die Haftanstalt. Nun saß ich erst den ersten Monat von Bewährung ab, danach die neuen zehn Monate.

Nach einem Jahr öffneten sich dann die Gefängnistore, mein damaliger Freund, und Uschi holten mich ab. Wir gingen einen trinken. Ich baute in Bonn direkt einen Rückfall, war dann aber sehr enttäuscht über mich selbst. Ich nahm mir vor, nichts mehr zu machen. Zweimal fuhr ich dann zu meinen Eltern, die ersten Kontakte nach sechs Jahren mit ihnen. Sie boten mir an, zu ihnen zu ziehen, bis ich Arbeit gefunden hätte, aber ich wollte bei Face bleiben, und ich dachte, ich wäre allein stark genug. Obwohl ich innerlich wusste, dass ich mich selbst betrüge.

Dann erlebte ich eine wundervolle Woche. Mit drei Leuten, die ich gerade erst zehn Minuten kannte, fuhr ich nach München. Dort blieben wir zwei Tage, rauchten Shit, warfen Trips - oh, es war Wahnsinn. Dann ging es weiter nach Österreich. Dort auf einem Bauernhof mieteten wir uns ein. Mitten in Almen, Wäldern, Bergen mit vielen Tieren. Dort blieben wir dann sechs Tage. Es waren die schönsten Tage und die schönsten Erlebnisse, die ich je hatte. Das erste Mal war ich ohne Ängste. Halbe Nächte lief ich ganz allein über die Almen, die Wiesen, die Wälder und Berge. Ja, ich lief und lief, ich fing an zu singen, redete laut zu Gott (obwohl ich immer glaubte, ich könnte nicht an Gott glauben). So frei und wohl habe ich mich noch nie gefühlt wie eben im Oktober in Österreich. Dort war ich total ohne Drogen, noch nicht mal Alkohol habe ich getrunken.

Dann ging es zurück nach Deutschland. Ich machte mit Face Schluss, verlor meine Urlaubsbegleiter und stand wieder vollkommen alleine da. Dann kam ein Anruf einer alten Knastbekanntschaft, eine dufte Frau, sie wohnte in Heerlen. Also packte ich meine Siebensachen und trampte nach Holland. Dann fing alles wieder an, anschaffen gehen, drücken, schlafen etc. etc. Ich lernte Hunderte von Schwarzen kennen, alle verkauften Heroin. Ich bekam sehr viel Stoff geschenkt und kam immer höher. So ging es zehn Monate bis Sonntag, den 10. Juli. Verhaftung, Haftbefehl, Einweisung.

Ich habe den festen Willen, an mir zu arbeiten, denn ich will meine Sucht und meine Ängste endlich loswerden. Ich möchte stark werden und endlich mein eigenes Ich kennen lernen. Wenn ich jedoch zurück in die Haftanstalt muss, werde ich rückfällig. Im Knast kann ich nicht an mir arbeiten, denn ich brauche Hilfe und Unterstützung. Aber diese bekomme ich nicht im Knast. Im Knast bekommt man eher eine Trotzhaltung als Abstand zur Droge. Ich habe dies zweimal selbst erfahren und weiß, dass ich nur dann eine echte Chance habe, wenn mir offene Therapie bewilligt wird! Ich habe das erste Mal das Gefühl, es zu schaffen, wenn ich ohne Rückfall dies hier in der Klinik bis zur Therapie durchhalte!!!“

Als Heidi diesen Bericht in der psychiatrischen Klinik, in der sie sich damals befand, schrieb, war sie neunzehn Jahre alt. Auf der Station war sie sehr beliebt. Sie war immer freundlich und offen und hat oft darum gebeten, irgendwelche Stationsarbeiten machen zu können. Ins Gefängnis musste sie nicht. Sie bekam in ihrem Prozess lediglich die Auflage, sich einer längeren Behandlung zu unterziehen. Aber sie hat es nicht durchgehalten. Nach einigen Wochen ist sie zurückgekehrt in die Szene. Niemand weiß, was aus ihr geworden ist.

Drogenabhängig wird man als Jugendlicher. Fast alle kommen sie
aus zerrütteten Familien. Sie waren alle früh allein. In der Drogenszene
finden sie Freunde, die zusammenhalten. Die Droge gibt ihnen
endlich ein Gefühl von Frieden und Glück. Fortan verachten sie unsere Vernunft, unseren Stress und unsere Kälte. Sie haben ihre Sprache, ihre Musik, Kleidung und fühlen sich anders. Den Betrug der Droge merken sie zu spät. Dann kommt kein Gefühl des Glücks mehr, sondern ständig drohen Entzugsschmerzen und eine entsetzliche innere Leere. Krankheit und Verwahrlosung kommen hinzu. Die Zähne werden oft faul. Schmutzige Spritzen verursachen Leberentzündung, Gelbsucht oder die Infektion mit HIV. Freunde sind sich Fixer nur bedingt. Der eine verrät den anderen, wenn es um Stoff geht. Sie wissen das voneinander und nehmen es sich nicht übel. Der Tag ist eine Hetze nach Geld.

Das Betäubungsmittelgesetz bedroht mit Freiheitsstrafe oder mit Geldstrafe, wer Betäubungsmittel ohne die erforderliche Erlaubnis einführt, ausführt, mit ihnen Handel treibt, sie erwirbt, abgibt, veräußert oder Betäubungsmittel ohne Erlaubnis besitzt. In besonders schweren Fällen, das heißt demjenigen, der die Gesundheit mehrerer Menschen gefährdet, als Erwachsener wiederholt Betäubungsmittel an Personen unter achtzehn Jahren abgibt oder gewerbsmäßig handelt, droht immer eine hohe Freiheitsstrafe. Am Ende ist es die Hölle.

Die Drogen:
Haschisch oder Hasch heißt in der Drogenszene Shit oder Gras. Es wird  geraucht oder manchmal in Kuchen gebacken. Haschisch verursacht oft erst nach Gewöhnung angenehme Gefühle. Es hat keine körperliche Abhängigkeit zur Folge, dient aber oft als Einstiegsdroge. Marihuana ist eine ganz ähnliche Substanz mit gleichen Wirkungen.

Weckamine (Speed) sind Substanzen, die eine gute Stimmung machen, Müdigkeit vertreiben und die Leistungsfähigkeit verbessern. Sie machen ziemlich schnell abhängig und belasten den Körper.

Es gibt Jugendliche, die organische Lösungsmittel, zum Beispiel Verdünner von Klebstoffen, zum Schnüffeln benutzen. Sie werden zwar nicht körperlich abhängig davon, jedoch bekommen sie häufig schwere Nervenlähmungen.

Mit LSD „wirft man einen Trip“. Es verursacht sehr aufregende Sinneswahrnehmungen (zum Beispiel erscheint die Umgebung besonders farbig), verbunden mit angenehmen Gefühlen. Es wird als Tablette oder Pulver eingenommen. LSD wird synthetisch hergestellt. Die Droge Mescalin hat ähnliche Wirkungen wie LSD. LSD kann zu einem sogenannten Horror-Trip führen: Das sind sehr unangenehme Sinnestäuschungen, die panische Angstzustände auslösen können. Schon mancher ist im Horror-Trip umgekommen. Der Gebrauch von LSD kann nach einiger Zeit zu einer Psychose führen. Das ist auch längere Zeit nach der letzten Einnahme möglich.

Heroin heißt in der Drogenszene H (englische Aussprache, also „eitsch“). Es gibt sehr viele unterschiedliche Sorten, die aus dem Orient nach Deutschland geschmuggelt werden. Heroin lässt sich schnüffeln, ist aber wirksamer als Spritze in die Vene, meist Ellenbeuge. Drogenabhängige sprechen von „fixen“ oder „drücken“. Stoffe mit ähnlicher Wirkung wie Heroin sind Morphium, Opium, Methadon, Valoron. In der Medizin werden sie bei sehr starken Schmerzen angewandt.

Ein Fixer braucht zwei bis drei „Schüsse“ Heroin am Tag, oft mehr. Der Preis von Heroin schwankt je nach Angebot. Der Drogenabhängige braucht viel Geld im Monat für sein Heroin. Durch normale Arbeit, der er sowieso meist nicht mehr nachgehen kann, lässt sich das Geld kaum beschaffen. Der Ausweg ist dann der Handel mit Drogen, das Dealen. Der Fixer übernimmt von einem Dealer, der schon etwas höher in der Verteilerhierarchie steht, eine größere Menge und versucht, davon soviel wie möglich zu verkaufen. Von dem Gewinn, den er dabei hat, kauft er sich den Stoff, den er selbst braucht. Aber das funktioniert oft nicht, weil alle Fixer ständig an Geldknappheit leiden. Darum sind sie alle „link“. Darum sind Diebstahl und Prostitution häufig der Ausweg; wenn es noch schlimmer kommt, der „goldene Schuss“, die Überdosis, die zum Tod führt.

Kokain oder Koks hat eine ähnliche Wirkung wie Heroin. Es wird durch die Nase konsumiert. Crack heißen Kokainaufbereitungen, die sofort wirken.

Heroin, Morphium und Opium gelten als „harte“ Drogen. Sie haben eine starke Wirkung und führen schnell zur Abhängigkeit. Haschisch, Marihuana und Beruhigungsmittel gelten als „weiche“ Drogen. Ihre Wirkung ist schwächer. Aber abhängig machen sie auch. Wer ohne dringenden medizinischen Grund regelmäßig solche Stoffe nimmt, ist abhängig.

Besonders die harten Drogen führen anfangs zu einem sehr ausgeprägten Wohlgefühl. Sie helfen Stress, Spannung und Angst zu vermeiden. Ein bis zwei Wochen genügen, um von harten Drogen abhängig zu werden. Wird dem Körper nicht ständig neuer Stoff zugeführt, muss er das mit schweren Schmerzen bezahlen. Schon nach sechs bis acht Stunden zeigen sich die ersten Entzugserscheinungen, der „Turkey“. Im Turkey tut der ganze Körper weh, oft besonders in der Nierengegend. Es treten Magenkrämpfe auf. Die Augen tränen. Es ist einem zumute wie zum Kotzen. Das dauert zwei bis fünf Tage. Nur ein Mittel hilft dagegen: der Wille aufzuhören. Wer es halbherzig tut, leidet mehr.

Um den Drogenabhängigen einen Ausweg zu bieten, gibt es das Methadonprogramm. Methadon ist ein Stoff ähnlich wie Heroin. Man schluckt am Tag eine bestimmte Menge und hat Ruhe, also keine Entzugserscheinungen. Auch die Gier nach dem Rausch verschwindet oft. Aber man bleibt abhängig. Da Methadon bei entsprechender Dosis auch als Rauschmittel gebraucht werden kann, wird es nur unter staatlicher Kontrolle ausgegeben. Aber verringern kann man die Zahl der Drogenabhängigen dadurch natürlich nicht. – Inzwischen ist es auch möglich, dass Heroinabhängige das Heroin unter kontrollierten Bedingungen bekommen, um ihnen Kriminalität und Prostitution zu ersparen.

Die Drogenabhängigkeit ist inzwischen noch durch Aids kompliziert worden. Süchtige, die sich Heroin spritzen, sind häufig mit Aids-Viren infiziert. Viele von ihnen sind überdies Prostituierte oder Strichjungen, da sie nur so an das viele Geld kommen können, das sie zur Beschaffung der Drogen brauchen. Sie geben also unter Umständen das Virus an Personen, mit denen sie Geschlechtsverkehr haben, weiter. Besonders über die Spritze, wenn mehrere Personen eine gleichzeitig benutzen, wird das Virus übertragen. Der Staat hofft, durch das Methadonprogramm Drogenabhängige davon abzuhalten, auf den Strich zu gehen. Wenn sie Methadon bekommen, brauchen sie kein Geld für die Beschaffung von Drogen, sie können auf die Prostitution verzichten.

Wenn Frauen während der Schwangerschaft Drogen nehmen, bekommt das Baby im Bauch natürlich auch was ab. Die Babys gewöhnen sich im Mutterleib an die Drogen und bekommen nach der Geburt Entzugserscheinungen. Da sie darunter sehr leiden, vielleicht auch Schaden nehmen, müssen sie unmittelbar nach der Geburt ins Krankenhaus, wo sie langsam entwöhnt werden.

 

Letztmals aktualisiert: 2010-06-08 11:01:33
 
Diese Webseite basiert auf dem Buch "Sprünge in der Seele" von Frank Matakas. Das Buch ist erstmals im Rowohlt Verlag erschienen und steht in überarbeiteten Auszügen hier kostenlos zur Verfügung.
 
Familienstürme: Was ist eigentlich »normal«? Eine Annäherung an die tieferen Ursachen psychotischer Zustände. Ein erfolgreicher Mann, eine treu sorgende Frau, zwei Töchter – Familie Rein ist eigentlich völlig normal. Und doch führen die Abhängigkeiten untereinander, Berge von uneingestandenen Wünschen und nicht gelebten Gefühlen scheinbar zwangsläufig ins Elend: Barbara, die älteste Tochter, arrangiert ihre (über-)Lebensstrategien in diesem Umfeld von Anfang an so, dass sie auffällig wird. Als junge Frau wird sie schwer psychotisch. Frank Matakas beschreibt an diesem fiktiven Fall – gewissermaßen der Quersumme vieler seiner Fälle als Psychiater und Psychoanalytiker –, wie sich psychische Auffälligkeiten auf der persönlichen, der familiären und der gesellschaftlichen Ebene erklären lassen könnten. Romanhaft zu lesen, packen die Schilderungen den Leser mehr als alle Fiktion: Immer wieder muss er erkennen, wie es auch um ihn selbst und das eigene Umfeld bestellt ist. Vor allem aber erweckt das Buch in ihm ein tieferes Verständnis für die Individualität und innere Ordnung anderer, erscheint sie nun krankhaft oder „normal“.

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Eine weitere Arbeit mit dem Schwerpunkt Psychose hat der Autor im Internet veröffentlicht.