Eine ganz andere Richtung als die Psychotherapie, die sich auf die Psychoanalyse stützt, ist die Verhaltenstherapie. Die Theorie, die hinter dieser Methode steht, ist, dass psychische Störungen die Folge von falschem Lernen sind. Vereinfacht gesagt, psychische Störungen sind falsche Angewohnheiten. In der Verhaltenstherapie hat der Patient Gelegenheit, neue Verhaltensweisen zu üben und zu lernen. Dies geschieht so, dass in der Therapie erwünschtes Verhalten «belohnt» und unerwünschtes Verhalten «bestraft» wird. Natürlich entscheidet der Patient, was erwünscht und was unerwünscht ist. Er kommt ja zum Therapeuten mit dem Wunsch, durch seine Hilfe etwas an sich ändern zu können. Die «Belohnung» oder «Bestrafung» kann ganz unterschiedlich sein. Nehmen wir an, jemand hat Angst in Aufzügen. Der Verhaltenstherapeut übt dann mit ihm, sich die Situation im Aufzug zunächst nur vorzustellen und dabei angstfrei zu bleiben. Die «Belohnung» kann in diesem Fall darin bestehen, dass der Therapeut den Patienten lobt und ermutigt. Schließlich übt der Patient im Beisein des Therapeuten, im Aufzug zu fahren.
Die Verhaltenstherapie hat vor allem dann einen großen Wert, wenn der Betreffende ein reifer, gut organisierter Mensch ist. Wenn das kranke Symptom nicht den ganzen Charakter des Menschen bestimmt, ist eine Verhaltenstherapie, die ja auch den geringsten Aufwand erfordert, sinnvoll. Je kränker aber ein Mensch ist, um so weniger wirksam ist sie. Wer überdies auch an einer Aufklärung seiner seelischen Entwicklung interessiert ist, findet bei der Verhaltenstherapie keine Antwort.
Weitere Behandlungsmethoden. Autogenes Training. Durch autogenes Training kann man lernen, sich völlig zu entspannen und dadurch angstfrei zu werden. Die Entspannung wird im Beisein eines Therapeuten antrainiert. Sie erfolgt vor allem durch das vegetative Nervensystem. Das autogene Training ist keine Methode zur direkten Behandlung psychischer Konflikte. Jedoch ist es eine sehr wertvolle Hilfe für viele psychisch Kranke, um mit ihren Ängsten besser fertig zu werden. Ähnliches lässt sich durch die „progressive Muskelrelaxation nach Jakobson“ ( heißt: Muskelentspannung) erreichen.
Körpertraining. Bei psychischen Störungen ist immer auch das Verhältnis des Menschen zu seinem Körper gestört. Missempfindungen, Schwächegefühl, Beschwerden aller Art und eine besondere Empfindlichkeit sind regelmäßige Begleiterscheinungen psychischer Unstimmigkeiten. Darum sollte eine Behandlung auch den Körper mit umfassen. Gymnastik, Sport, Bäder etc. verbessern die körperliche Leistungsfähigkeit, sie verbessern das Körpergefühl und das Selbstbild.